Gibt es im Pinzgau einen Polizeimangel?

Die SPÖ fordert mehr Polizisten. Es fehlten in Salzburg 224 Vollbeschäftigte. Das wirke sich auch auf den Pinzgau aus.

„Salzburger Woche“ Nr. 44 vom 31.10.2018 Seite: 6
Ressort: gemeinde

Pinzgauer Nachrichten

Erwin Simonitsch Zell am See Es hat Tradition: Immer, wenn das Jahr zu Ende geht, besucht Walter Bacher Polizeidienststellen im Pinzgau. „In den Gesprächen höre ich von den permanenten Unterbesetzungen, von Überstunden, die die Leute an ihre Grenzen bringen, das geht bis zum Burn-out“, sagt der SPÖ-Abgeordnete zum Nationalrat aus Uttendorf.

Bacher stellte im Parlament regelmäßig Anfragen an das Innenministerium – vier in den vergangenen zwei Jahren – und die jüngste Beantwortung durch Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) zeige, dass die Polizei in Salzburg wie kein anderes Bundesland unter einem chronischen Personalmangel leide. Laut Stand 1. April 2018 sei Salzburg im Bundesländervergleich auf den letzten Platz abgerutscht und habe prozentuell den größten Polizeifehlstand (14,2 Prozent). In vielen Bezirken habe sich der Polizeimangel noch einmal zugespitzt.

Laut SPÖ fehlen im Pinzgau 17 in Vollzeit tätige Personen So fehlten laut Bacher im Pinzgau 17,3 vollbeschäftigte Polizisten (VBÄ). Ein Jahr zuvor seien es 15 gewesen. Die Situation habe sich erneut verschärft, nachdem sich der Fehlstand zwischen 2016 und 2017 zunächst etwas verbessert habe. Nach Interpretation der SPÖ ist im Pinzgau nur eine Polizeiinspektion voll besetzt, die in Kaprun. In Zell am See fehlten sieben Personen, in Saalfelden drei, in den anderen im Schnitt eine vollbeschäftigte Person.

Personalvertreter Walter Deisenberger von der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) sprach gegenüber den SN von einer „Loch-auf-Loch-zu“-Taktik – das Personal werde hin- und hergeschoben. Wegen des Personalmangels gebe es im Pinzgau weniger Nachtstreifen.

Bacher zeigte sich im Gespräch mit den PN verwundert, dass von der Führungsspitze der Polizei im Land Salzburg stets gesagt werde, der Personalstand sei gut, denn: „Der Innenminister sagt in seiner Anfragebeantwortung etwas ganz anderes.“

Die SPÖ fordert mehr Polizisten für das Bundesland. Klubchef Walter Steidl empfiehlt LH Wilfried Haslauer (ÖVP), seine Kontakte zur Bundesregierung zu nützen: „Was helfen Polizeipferde in Wien, wenn es in den Salzburger Bezirken nicht einmal genug Polizistinnen und Polizisten gibt? Es ist an der Zeit, dass der Landeshauptmann endlich etwas unternimmt.“ Es handle sich um ein konkretes Sicherheitsrisiko, sagte Steidl. Und die bevorstehende Wintersaison bedeute für Salzburgs Polizeibeamte deutlich mehr Arbeit, viele Überstunden und Versetzungen in die Wintersportorte. In ganz Salzburg fehlen laut SPÖ mit Anfang April knapp 224 Vollzeitbeschäftigte (bei einem Soll von 1570, davon 153 im Pinzgau).