Walter Bacher zum Ärzte-Nachtdienst: Kein Sparen auf Kosten der Patienten

Vorspann

Uttendorf. Walter Bacher (SPÖ) ist Pinzgaus einziger Abgeordneter zum Nationalrat. Er ist in verschiedenen Gremien, die sich mit dem Gesundheitswesen beschäftigen, und kommentiert geäußerte oder kolportierte Pläne kritisch: „Seit diese schwarz-grün-gelbe Landesregierung entscheidet, ist der Pinzgau in der Gesundheitsversorgung am laufenden Band mit Einsparungen konfrontiert. Da gibt es Sparzwänge bei den Radiologiestellen, beim Hebammenzentrum in Mittersill und kolportierte Schließungspläne der Notfallambulanz des Spitals in Mittersill ab 23 Uhr. Was soll das?“

Als „völlig schräg“ bezeichnet Bacher die beabsichtigte Einstellung des Bereitschaftsdienstes für Ärzte: „Es gibt zwei Papiere. Im einen geht es darum, dass die Ärztekammer behauptet, dass sie Probleme habe mit den Nachbe set zungen von Ordinationen, weil jüngere Ärzte den Nachtdienst und die Wochenenddienste nicht machen wollen. Um den Beruf attraktiver zu machen, will die Kammer den Nachtdienst bis 23 Uhr beschränken. Zwischen 23 und 7 Uhr soll es für das ganze Bundesland – mit Ausnahme der Stadt – nur mehr einen Telefondienst geben. Aber was ist, wenn in der Nacht etwas ist? Dann können die Patienten ja in die Ambulanzen der Krankenhäuser. Und hier kommt das zweite Papier ins Spiel, in dem es um das ärztliche Konzept in der Tauernklinik geht. Hier gibt es Überlegungen, die Ambulanz in Mittersill nach 22 Uhr zu schließen – aufgrund der berühmten Fallzahlen. Wenn etwas ist, könne man ja nach Zell am See fahren. Oder die niedergelassenen Ärzte könnten Nachtdienst machen. Das widerspricht sich völlig.“

Das Konzept für die Tauernklinik soll bis Oktober stehen und im November bereits umgesetzt werden, sagt Bacher und meint: „Die Zeit drängt. Wir müssen aufschreien, sonst ist es zu spät.“ Er möchte Ärzte, Bürgermeister, Abgeordnete, Experten zu einem runden Tisch einladen. „Die Fragen sind: Wie stellen wir uns die Gesundheitsversorgung vor? Wie viel Service, wie viel Sicherheit brauchen wir? Ist es zumutbar, dass die Oberpinzgauer nach Zell am See fahren müssen?“

Ärger verursache bei ihm, dass nicht von Verringerung, sondern von Effizienzsteigerung geredet werde, sagt Bacher. „Gerade aus Sicht der Sozialdemokratie können wir es uns nicht leisten, das wir nur von Effizienzsteigerung sprechen und das System aushöhlen. Das könnte dramatische Folgen haben. “ simo

(Beitrag in der Pinzgauer Nachrichten vom 17. September 2015)